Beitrag im Radio Nordseewelle
Wer das Ökowerk Emden betritt und seinen Blick nach rechts wendet, erkennt – eingerahmt von hohen Baumkronen – die aufragenden Klärwerkstürme des in den 1980er Jahren stillgelegten Klärwerks Emden-Borssum. Bereits zum Zeitpunkt der Schließung des Klärwerks wuchsen um die Türme vereinzelte Bäume. Über die letzten 35 Jahre haben sich diese zu einem kleinen, aber feinen Wäldchen entwickelt.
Erster Baumwipfelpfad in Ostfriesland
Die Existenz eines Waldes im Ökowerk ist an sich schon bemerkenswert in Ostfriesland. Noch bemerkenswerter ist das Bauwerk, das dort derzeit Gestalt annimmt: Zwischen Vorklärbecken, Tropfköper und Nachklärbecken entsteht ein barrierefreier Baumwipfelpfad mit Waldschule. Der Baumwipfelpfad ist eine Premiere in Ostfriesland und die geplante Waldschule mit Waldklassenzimmer auf Höhe des Blätterdachs ist sogar deutschlandweit einzigartig.
Förderung macht Projektrealisierung möglich
Das Gesamtvolumen der Baumaßnahme liegt bei rund 650.000 Euro. Zur Finanzierung tragen mehrere Fördermittelgeber bei. Das Vorhaben wird unter anderem im Rahmen des „LEADER“-Programms vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems als „Leuchtturmprojekt“ mit 250.000 Euro gefördert. Aktion Mensch e. V. unterstützt das Projekt mit rund 248.000 Euro. Weitere Förderer sind die Stadt Emden, die EWE-Stiftung, die Emder Sparkassenstiftung und die OLB-Stiftung.
Vom Klärwerk zum Ökowerk
Das alte Klärwerk mit seinen hoch aufragenden Bauwerken – darunter das 6,50 Meter hohe Vorklärbecken und der fast fünf Meter hohe Tropfkörper – bildet bis heute die identitätsstiftende Keimzelle des Ökowerks. Sogar im Stiftungslogo ist das Vorklärbecken verewigt, das nun durch den Baumwipfelpfad zu neuem Leben erweckt wird. Auch der Name des Ökowerks geht auf die ursprüngliche Nutzung des Geländes am Kaierweg zurück: Durch die Verbindung von „Ökologie“ und „Klärwerk“ entstand der Name „Ökowerk“ – ein Symbol für nachhaltige Umnutzung und die in den 1980er Jahren aufkommende Umweltbewegung.
Ein inklusiver Lern- und Erlebnisort entsteht
Das Wäldchen im Ökowerk ist abwechslungsreich: Zwischen Erlen, Weiden, Hainbuchen und Eschen wachsen Scharbockskraut, Bärlauch und Waldmeister. Hier leben zahlreiche Vogel- und Insektenarten. Doch bisher ist der Wald nur schwer zugänglich, vor allem für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Das Projekt „Baumwipfelpfad und Waldschule im Ökowerk Emden“ verfolgt das Ziel, diesen besonderen Lebensraum für alle Menschen erlebbar zu machen. Geplant ist, die bestehenden Bauwerke des ehemaligen Klärwerks durch einen barrierefreien Baumwipfelpfad miteinander und mit dem angrenzenden Wald zu verbinden. Auf dem Tropfkörper soll – halb in den Baumkronen – das Klassenzimmer der neuen Waldschule entstehen.
Auf diese Weise bleiben die alten Klärwerksgebäude erhalten und können für die Umweltpädagogik zum Thema Wald genutzt werden (https://oekowerk-emden.de/waldpaedagogik/).
„Wir möchten den Wald im Ökowerk mit allen Sinnen erfahrbar machen und das Bewusstsein für den Wert dieses einzigartigen Ökosystems stärken“, sagt Dr. Frank Gaupels, Projektmanager im Ökowerk Emden. Die Geschäftsführerin des Ökowerks, Dr. Katharina Mohr ergänzt: „Dank der finanziellen Unterstützung unserer Partner entsteht mit dem Baumwipfelpfad und der Waldschule im Ökowerk ein inklusiver Lern- und Erlebnisort von überregionaler Strahlkraft.“
Das Projekt „Baumwipfelpfad und Waldschule im Ökowerk Emden“ wird von den folgenden Institutionen gefördert:
Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems, Zuwendung zur Förderung eines Vorhabens in der Maßnahme LEADER
